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HOAI oder: Warum Planung Geld kostet

So manchem Bauherrn wachsen beim Hausbau die Kosten über den Kopf. Das liegt wohl vornehmlich an der Annahme, dass Leistung nichts kostet. So wird es ihm jedenfalls von der Branche eingeredet. Stimmt aber nicht. Die Auswirkungen zeigen sich in Mängeln durch minderwertiges Material oder schlampige Arbeit und an der Anzahl der Nachträge. Dies vergessen: Mehraufwand. Jenes funktioniert nicht mit Anderem: Mehraufwand. Teurer Mehraufwand, hätte man von Anfang an die Gegebenheiten berücksichtigt.

Grundlage einer vernünftigen Kostenkontrolle bietet eine saubere und fachgerechte Planung. Die aber will heute kaum ein Bauherr bezahlen (so bezahlt er unter Umständen ein Leben lang). Mit fest geschlossenen Augen in die Katastrophe anstatt mit Weitblick eine gesicherte Finanzierung. Ein System an denen die Beteiligten alle ihr Auskommen geschaffen haben. Zu Lasten des Bauherren. Ist halt so – selber schuld!

An dieser Stelle möchte ich auf folgenden Link im Internet verweisen: www.hoai.de.

Zunächst sollte sich der Bauherr im Klaren sein, was für ein Gebäude er bauen möchte. Hem? Aus manchem Krankenhaus wird letztendlich ein Hotel. Manches Wohnhaus soll eigentlich ein Bürogebäude werden. Oder umgekehrt. Daher diese lapidare Bemerkung.

Eine Einstufung und daher die finanzielle Bewertungsgrundlage stellen die so genannten Honorarzonen (§10ff HOAI) dar. Grundlegend unterscheidet man Gebäudearten und deren Zweck (vom Wohnbau bis hin zur Fachklinik). Jedes dieser Gebäude besitzt zudem noch Freianlagen sowie raumbildende und technische Ausbauten. Aus diesen Teilen setzen sich die Gesamtplanungskosten zusammen. Und nicht, wie sich das mancher Architekt gerne schön rechnet, nur aus den Grundleistungen. Das Dumme dabei ist nur: Für Freianlage und Ausbauten benötigt man eventuell Fachplaner, die gerne außen vor gelassen werden. Nicht nur, weil im Planungsbudget des Architekten nicht vorhanden, sondern auch, um Koordinationsaufwand zu vermeiden.

Ein Beispiel: Zweifamilienhaus mit Garten, Carport, energieeffizient, multimediatauglich, Swimmingpool und Einsatz von Solartechnik. Aha, denkt sich unser Architekt: Bauvolumen ca. 500.000 Euro. Schwupps wird die Planung berechnet. Natürlich zum Mindestansatz und nur für Grundleistungen.

Rechnen Sie nach: http://www.hoai.de/online/hoai_rechner/index.php

Einstellungen: §16 (Grundleistungen), Honorarzone I (reicht ja, für Wohnungsbau!), Mindestansatz und 500.000 Euro anrechenbare Kosten. Das Ergebnis beträgt für unseren Architekten ca. 36.700 Euro Planungswert.

Auftrag erteilt. Sehr schnell stellt unser Architekt fest, dass er doch einen Fachplaner benötigt. Der Planer für Heizung, Klima, Lüftung ermittelt seinerseits anrechenbare Kosten in Höhe von 200.000 Euro (Solaranlage, Lüftungsanlage, Swimmingpool, …). Auch er zieht die HOAI zu Rate. Seine Einstellungen lauten wie folgt: Honorarzone III (aufwendigere Technik) und §74 (Grundleistungen bei der technischen Ausrüstung) im Mindestansatz. Er kommt mit seinem Ansatz auf Planungskosten in Höhe von ca. 39.200 Euro.

Jetzt schluckt unser Architekt schwer. Damit wäre das Honorar für ihn schon weit überschritten. Geht nicht! Zu teuer! Scheiß Fachplaner! Nur, dass er diese Kosten bei seinem Angebot nicht berücksichtigt hat, will er nicht einsehen. Der Fachplaner kuckt in die Röhre und unser Architekt macht sich selber schlau und stellt fest, dass er bei den technischen Feinheiten so nicht unbedingt weiter kommt. Aber da war ja noch der Schwager, der eine Heizungsfirma hat. Mach mir mal eben ein Angebot.

Jetzt müssen noch Kabel ins Haus. Für Strom, Computer, Telefon, TV. Auch hier muss ein Fachplaner her. Eine falsche Planung im Elektrobereich kann Leben und Lizenz kosten. Auch der E-Planer ermittelt (kostenlos) die anrechenbaren Kosten und kommt auf einen Wert von 50.000 Euro. Er kalkuliert sie wie sein Kollege der HKL und kommt auf einen Wert von ca. 5.800 Euro Planungskosten. Leider reicht ihm der Mindestansatz durch Prüfungen, Messungen und Abnahmen nicht aus. So legt er den Mittelsatz zugrunde: 6.600 Euro. Pfui! Zu teuer! Gleiches Spiel. Nur dieses Mal ist es der Stammtischbruder mit seiner Elektrofirma.

Und was ist mit dem Planer für die Freianlagen? Den lässt man besser sofort weg und erklärt dem Bauherren etwas von Eigenleistung, Solarleuchten mit Erdspieß, Gießkanne und Carport aus dem Baumarkt. Sonderangebote en Mass.

Dann: Die Baustellenabwicklung. Eine Katastrophe. Chaos pur. Keine Koordination. Terminüberschreitungen. Die Anlagen laufen nicht, wie sie sollen. Die Kosten für Bauüberwachung sind ja auch nicht mehr im Budget drin gewesen. Also muss eine Baubesprechung und die Gesamtabnahme reichen. Ohren angelegt und Mängel als Features ausgelegt. Der Bauherr staunt nicht schlecht. Alle Ächtung!

Die HOAI hat durchaus ihre Berechtigung. Nur wie sie angewandt und gelebt wird, sollte unsere Zweifel wecken. Der Hausherr stellt sich dann statt eines Autos eben ein Fahrrad in die Garage. Das hat er schließlich bezahlt.

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