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Herr K. und die Burka

Herr K. ist ein entschiedener Kämpfer für Gerechtigkeit. Das betont er jedenfalls immer und bei jeder Gelegenheit. Daher fühlt er sich berechtigt, sein Weltbild über den Afghanistan-Konflikt der Welt als Maßstab zu aufzuzwingen. Außerdem zählt er sich zur geBILDeten Volksseele, die sich an den Opfern erhebt und nicht an den Tätern. Herr K. wird wütend über jeden getöteten Soldaten anstatt über die Warlords, die diesen Konflikt mit aller Macht aufrecht erhalten. Er echauffiert sich mehr über die Wirkungen als über die Ursachen. Daher verurteilt Herr K. die Burka und die Taliban anstelle der Drogen- und Waffengeschäfte, die zur Etablierung dieser Machtstruktur gehören.

Die Burka unterdrückt die Frauen, beharrt Herr K. – insoweit scheint er die Welt um ihn herum fast zu begreifen. Es ist jedoch nicht die Burka, die die Frauen unterdrückt, sondern die Männer, die von den Frauen verlangen, diese zu tragen. Ein Symbol der Ohnmacht. Einfach zu erkennen für jeden Mann. Die Frau unter der Burka kann sofort als DAS ANDERE wahrgenommen werden kann. Auch Herr K. sieht vorwiegend mit den Augen.

Dass Frauen, wenn sie sich in die Machtstruktur der Männer fügen müssen, immer nach deren Vorstellungen auszusehen haben, hat Herr K. allerdings noch nicht begriffen. Oder besser gesagt: Herr K. will diese Tatsache nicht anerkennen. In westlichen Regionen müssen Frauen eine gute Figur haben, ihre langen Haare blond färben, sich schminken und einen Rock tragen. Das sei normal, fügt Herr K. geil grinsend hinzu. Dass unter diesen beiden Verkleidungen ein ganz anderes Wesen steckt, will Herr K. gar nicht wissen. Es geht Herrn K. schließlich nicht um die Freiheit der Frauen. Es geht ihm darum, dass ihr Anblick in sein Weltbild passt.

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